die Standortentwicklung


Theoretischer Hintergrund

Die Entstehung des STADTWERKs geht einher mit intensiven Aufwertungsbemühungen des gesamten Stadtteils seitens der politischen VerantwortungsträgerInnen, hier in Zusammenarbeit mit dem privaten Standortentwickler PRISMA. Durch Neubauten und Umgestaltungen sollte der „viel beschworene Niedergang Lehens, insbesondere um die Ignaz-Harrer-Straße […] aufgehalten und in eine Chance umgewandelt werde." (Padutsch 2004)

Als Chance können vor allem die in den Neugestaltungen berücksichtigten Begegnungs- und Kommunikationsräume gesehen werden, die sich aus architektonisch konstruierten Freiflächen ergeben, auf denen der motorisierte Individualverkehr eine nachgeordnete Rolle spielt.

Es geht also nicht mehr darum, die Verkehrsflächen in einer für den Autoverkehr besonders günstigen Weise zu organisieren, sondern so, dass sich Menschen dort gerne aufhalten und Zeit – vielleicht zufällig – gemeinsam verbringen.

Der Trend geht also dorthin, Orte der Ruhe und des Rückzugs zu schaffen um dadurch die städtische Anonymität überwinden zu können. Offenere Siedlungskonzepte sprechen erfahrungsgemäß Menschen unterschiedlicher Herkunftsmilieus an. In weiterer Folge kann durch architektonische Interventionen also zwanglos die Diverstität der Quartiersbevölkerung gefördert werden.

Lehen galt seit jeher als ein stark segregierter Stadtteil, was bedeutet, dass die Bevölkerung in ähnlichen sozialen Kontexten eingebettet war. Die Zusammensetzung der Quartiersbevölkerung war wesentlich durch geringe Ausstattung mit ökonomischem Kapital geprägt – der Mietpreis bestimmte die Standortwahl, günstiger Wohnraum war für Einkommensstärkere unattraktiv weil die Gestaltung des Lebensraumes oft nicht ihren Vorstellungen entsprach.

Erst ein Paradigmenwechsel in der Stadtplanung, eine langsame Verschiebung von Prioritäten und die Reflexion von Ungleichheiten und Machtverhältnissen im öffentlichen Raum, steigerten die Attraktivität ehemals unbeliebter Gegenden – für verschiedene Gruppen.

Eine Besiedelungspolititk, deren Prämissen die Heterogenität der Quartiersbevölkerung berücksichtigt, kann sich nicht nur positiv auf die Atmosphäre eines Quartiers auswirken. Sie kann vor allem auch eine höhere Konzentration von sozialem Kapital fördern.

Frühere Planungskonzepte hatten oft die Herstellung nachbarschaftlicher Solidargemeinschaften als oberstes Ziel. Zahlreiche Untersuchungen und der Alltag zeigten jedoch, dass Menschen mit großen Statusunterschieden keine engeren Beziehungen knüpften. Auch nicht wenn sie in räumlicher Nachbarschaft lebten.

Erst die Netzwerkanalyse macht – ganz rational betrachtet – die wesentlichen Vorteile einer diversen Besiedelungspolitik sichtbar: Die jeweiligen Netzwerke können einander im Idealfall ergänzen, was zu einer Steigerung des allgemeinen sozialen Kapitals führt.

Andrej Holm bezeichnet die Berücksichtigung von Menschen mit höherem Bildungsniveau in Quartieren, in denen sonst eher bildungsferne Menschen leben, fast zynisch als die Implementierung von „Stabilisatoren". Es ist ihm dabei auch partiell Recht zu geben, und zwar insofern, als dass diese Personen durch ihre Netzwerke anderen Vorteile verschaffen und so die allgemeine Situation stabilisieren können.

Sozialer Wohnbau darf nicht mehr per se mit günstigem Raum für Marginalisierte assoziiert werden, sondern meint heute lebendige heterogene Quartiere mit Orten für Kommunikation und Interaktion. Sozial also in dem Sinne, dass Kommunikationspotenzial vordergründig ist.


Das STADTWERK

Am auffälligsten ist wohl der kombinierte Anspruch Wohn-, Arbeits- und Lebensraum in gleichem Ausmaß und mit gleichem Stellenwert zu schaffen. Dabei gilt es praktikable Konzepte mit angemessener Ästhetik zu verbinden – und das in einer Weise, als dass sie für den nördlichen Wohn-, als auch für den südlichen Gewerbeteil eine identitätsstiftende Symbolik transportiert, die dabei stets mit der jeweils anderen harmoniert und einen fließenden Übergang ermöglicht.

Dabei darf jedoch nicht nur architektonisch bzw stadtplanerisch gedacht werden. Das STADTWERK sieht sich als „Raum für Vielfalt". Damit dieser ambitionierte Slogan auch gelebt und erlebt werden kann bedarf es einer behutsamen Zusammenführung der oft noch als einander ausschließend gedachten Bereiche „Wohnen" und „Arbeit".

Gerade die Postmoderne zeichnet sich durch die partielle Überwindung dieser fordistischen, starren räumlichen Trennung aus und erlaubt deswegen neue räumliche Anordnungen und Nachbarschaften. Flexible Raumkonzepte prägen eine neue Urbanität, daraus hervorgehende, veränderte Lebens- und Arbeitskonzepte gestalten den neuen Urbanismus. Folgt man diesem Gedankenspiel, so wird rasch klar, wie eine Egalisierung der Nutzungen in Konzeption und Alltag möglich wurde.

Die Zeiten der industriellen Produktion und der Großraumbüros sind auch in unseren Breiten zwar noch nicht vorbei, das neue Ideal verlangt aber nach einer Harmonisierung – der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse. Ein Indiz dafür ist beispielsweise der enorme Bedeutungsgewinn von Life Sciences, der als Ausdruck eines individualistisch-harmonisch orientierten Antagonismus‘ zur entfremdeten Arbeit gelesen werden kann, das heißt, dass die Ergebnisse der Arbeit sowie auch die Arbeit an sich, relational betrachtet, ein individuelles sowie allgemeines gesteigertes Wohlbefinden initiieren können.

Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass sich neben medizinischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen auch der lokale Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln „biogena" im STADTWERK ansiedelt, der nicht nur für qualitativ hochwertige Produkte bekannt ist, sondern auch dafür, sehr um das Wohlbefinden seiner MitarbeiterInnen bemüht zu sein.

Was dadurch sichtbar wird ist der Anspruch, dass Arbeit und Wohlbehagen vereinbar sein sollen, dass das keinen grundsätzlichen Widerspruch mehr darstellt.

Auf mehr Eigeninitiative beruhend, aber prinzipiell vergleichbar ist das Compakt-Angebot der Prisma-Unternehmensgruppe. Dabei werden eingerichtete Büroflächen unterschiedlicher Größen günstig an NutzerInnen vermietet. So soll für Engagierte hochwertiger Arbeitsraum zu leistbaren Preisen angeboten werden. Wesentlicher Vorteil ist dabei sicherlich das sich daraus ergebende hohe Potenzial an Synergieeffekten, die durch die Konzentration von Kompetenzen und Kreativität entstehen.

Die Stadt Salzburg ist weltberühmt, für ihre kulturellen Highlights und ihren barocken Stadtkern. Den touristischen Nutzen zieht sie also im Allgemeinen aus Vergangenem.

Darum erstaunt es kaum, dass unkonventionelle Projekte an negativ bewerteten Orten nicht von vornherein auf Zustimmung unter der Salzburger Bevölkerung stoßen.

Diesem Umstand sah sich auch das STADTWERK ausgesetzt: Verschiedene politische Ansichten und Zugänge den Stadtteil Lehen betreffend, schufen eine äußerst polarisierte Haltung dem STADTWERK gegenüber. Einerseits wurden der kostengünstige und gleichzeitig qualitativ hochwertige Wohnraum, sowie der urbane Nutzungsmix bejubelt. Andererseits stießen die dichte Bebauung und der Standort auf Ablehnung und provozierten sogar Widerstand während der Fertigstellung – von STADTWERK-BewohnerInnen und Menschen von außerhalb des STADTWERKs.

Ein feinfühliger und respektvoller Umgang mit der geäußerten Kritik bei gleichzeitigen Öffnungsbemühungen seitens des Vereins STADTWERK konnte die Kritik entkräften und schuf längerfristig eine Situation, in der es auch der Öffentlichkeit möglich wurde die Besonderheiten des STADTWERKs positiv zu erleben. Diese Dynamik soll nun genutzt werden, um das lebendige Quartier STADTWERK als zukunftsweisendes Modell für künftige Stadtentwicklungsprojekte in Salzburg zu legitimieren.

 
 

-        -  Padutsch, Johann (2004): Aus der Vision erwächst die Zukunft. In: Nachnutzung Stadtwerke-Areal

-     - Salzburger Stadtwerke (Hrsg.) (1987): 100 Jahre. Salzburger Stadtwerke. Elektrizitätswerke. Service für Salzburg

-        - www.salzburg-ag.at/unternehmen/status-geschichte/

-    - - Holm, Andrej (2010): Wir bleiben alle! Städtische Konflikte um Aufwertung und Verdrängung

 


die Standortentwicklung


Theoretischer Hintergrund

Die Entstehung des STADTWERKs geht einher mit intensiven Aufwertungsbemühungen des gesamten Stadtteils seitens der politischen VerantwortungsträgerInnen, hier in Zusammenarbeit mit dem privaten Standortentwickler PRISMA. Durch Neubauten und Umgestaltungen sollte der „viel beschworene Niedergang Lehens, insbesondere um die Ignaz-Harrer-Straße […] aufgehalten und in eine Chance umgewandelt werde." (Padutsch 2004)

Als Chance können vor allem die in den Neugestaltungen berücksichtigten Begegnungs- und Kommunikationsräume gesehen werden, die sich aus architektonisch konstruierten Freiflächen ergeben, auf denen der motorisierte Individualverkehr eine nachgeordnete Rolle spielt.

Es geht also nicht mehr darum, die Verkehrsflächen in einer für den Autoverkehr besonders günstigen Weise zu organisieren, sondern so, dass sich Menschen dort gerne aufhalten und Zeit – vielleicht zufällig – gemeinsam verbringen.

Der Trend geht also dorthin, Orte der Ruhe und des Rückzugs zu schaffen um dadurch die städtische Anonymität überwinden zu können. Offenere Siedlungskonzepte sprechen erfahrungsgemäß Menschen unterschiedlicher Herkunftsmilieus an. In weiterer Folge kann durch architektonische Interventionen also zwanglos die Diverstität der Quartiersbevölkerung gefördert werden.

Lehen galt seit jeher als ein stark segregierter Stadtteil, was bedeutet, dass die Bevölkerung in ähnlichen sozialen Kontexten eingebettet war. Die Zusammensetzung der Quartiersbevölkerung war wesentlich durch geringe Ausstattung mit ökonomischem Kapital geprägt – der Mietpreis bestimmte die Standortwahl, günstiger Wohnraum war für Einkommensstärkere unattraktiv weil die Gestaltung des Lebensraumes oft nicht ihren Vorstellungen entsprach.

Erst ein Paradigmenwechsel in der Stadtplanung, eine langsame Verschiebung von Prioritäten und die Reflexion von Ungleichheiten und Machtverhältnissen im öffentlichen Raum, steigerten die Attraktivität ehemals unbeliebter Gegenden – für verschiedene Gruppen.

Eine Besiedelungspolititk, deren Prämissen die Heterogenität der Quartiersbevölkerung berücksichtigt, kann sich nicht nur positiv auf die Atmosphäre eines Quartiers auswirken. Sie kann vor allem auch eine höhere Konzentration von sozialem Kapital fördern.

Frühere Planungskonzepte hatten oft die Herstellung nachbarschaftlicher Solidargemeinschaften als oberstes Ziel. Zahlreiche Untersuchungen und der Alltag zeigten jedoch, dass Menschen mit großen Statusunterschieden keine engeren Beziehungen knüpften. Auch nicht wenn sie in räumlicher Nachbarschaft lebten.

Erst die Netzwerkanalyse macht – ganz rational betrachtet – die wesentlichen Vorteile einer diversen Besiedelungspolitik sichtbar: Die jeweiligen Netzwerke können einander im Idealfall ergänzen, was zu einer Steigerung des allgemeinen sozialen Kapitals führt.

Andrej Holm bezeichnet die Berücksichtigung von Menschen mit höherem Bildungsniveau in Quartieren, in denen sonst eher bildungsferne Menschen leben, fast zynisch als die Implementierung von „Stabilisatoren". Es ist ihm dabei auch partiell Recht zu geben, und zwar insofern, als dass diese Personen durch ihre Netzwerke anderen Vorteile verschaffen und so die allgemeine Situation stabilisieren können.

Sozialer Wohnbau darf nicht mehr per se mit günstigem Raum für Marginalisierte assoziiert werden, sondern meint heute lebendige heterogene Quartiere mit Orten für Kommunikation und Interaktion. Sozial also in dem Sinne, dass Kommunikationspotenzial vordergründig ist.


Das STADTWERK

Am auffälligsten ist wohl der kombinierte Anspruch Wohn-, Arbeits- und Lebensraum in gleichem Ausmaß und mit gleichem Stellenwert zu schaffen. Dabei gilt es praktikable Konzepte mit angemessener Ästhetik zu verbinden – und das in einer Weise, als dass sie für den nördlichen Wohn-, als auch für den südlichen Gewerbeteil eine identitätsstiftende Symbolik transportiert, die dabei stets mit der jeweils anderen harmoniert und einen fließenden Übergang ermöglicht.

Dabei darf jedoch nicht nur architektonisch bzw stadtplanerisch gedacht werden. Das STADTWERK sieht sich als „Raum für Vielfalt". Damit dieser ambitionierte Slogan auch gelebt und erlebt werden kann bedarf es einer behutsamen Zusammenführung der oft noch als einander ausschließend gedachten Bereiche „Wohnen" und „Arbeit".

Gerade die Postmoderne zeichnet sich durch die partielle Überwindung dieser fordistischen, starren räumlichen Trennung aus und erlaubt deswegen neue räumliche Anordnungen und Nachbarschaften. Flexible Raumkonzepte prägen eine neue Urbanität, daraus hervorgehende, veränderte Lebens- und Arbeitskonzepte gestalten den neuen Urbanismus. Folgt man diesem Gedankenspiel, so wird rasch klar, wie eine Egalisierung der Nutzungen in Konzeption und Alltag möglich wurde.

Die Zeiten der industriellen Produktion und der Großraumbüros sind auch in unseren Breiten zwar noch nicht vorbei, das neue Ideal verlangt aber nach einer Harmonisierung – der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse. Ein Indiz dafür ist beispielsweise der enorme Bedeutungsgewinn von Life Sciences, der als Ausdruck eines individualistisch-harmonisch orientierten Antagonismus‘ zur entfremdeten Arbeit gelesen werden kann, das heißt, dass die Ergebnisse der Arbeit sowie auch die Arbeit an sich, relational betrachtet, ein individuelles sowie allgemeines gesteigertes Wohlbefinden initiieren können.

Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass sich neben medizinischen Bildungs- und Forschungseinrichtungen auch der lokale Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln „biogena" im STADTWERK ansiedelt, der nicht nur für qualitativ hochwertige Produkte bekannt ist, sondern auch dafür, sehr um das Wohlbefinden seiner MitarbeiterInnen bemüht zu sein.

Was dadurch sichtbar wird ist der Anspruch, dass Arbeit und Wohlbehagen vereinbar sein sollen, dass das keinen grundsätzlichen Widerspruch mehr darstellt.

Auf mehr Eigeninitiative beruhend, aber prinzipiell vergleichbar ist das Compakt-Angebot der Prisma-Unternehmensgruppe. Dabei werden eingerichtete Büroflächen unterschiedlicher Größen günstig an NutzerInnen vermietet. So soll für Engagierte hochwertiger Arbeitsraum zu leistbaren Preisen angeboten werden. Wesentlicher Vorteil ist dabei sicherlich das sich daraus ergebende hohe Potenzial an Synergieeffekten, die durch die Konzentration von Kompetenzen und Kreativität entstehen.

Die Stadt Salzburg ist weltberühmt, für ihre kulturellen Highlights und ihren barocken Stadtkern. Den touristischen Nutzen zieht sie also im Allgemeinen aus Vergangenem.

Darum erstaunt es kaum, dass unkonventionelle Projekte an negativ bewerteten Orten nicht von vornherein auf Zustimmung unter der Salzburger Bevölkerung stoßen.

Diesem Umstand sah sich auch das STADTWERK ausgesetzt: Verschiedene politische Ansichten und Zugänge den Stadtteil Lehen betreffend, schufen eine äußerst polarisierte Haltung dem STADTWERK gegenüber. Einerseits wurden der kostengünstige und gleichzeitig qualitativ hochwertige Wohnraum, sowie der urbane Nutzungsmix bejubelt. Andererseits stießen die dichte Bebauung und der Standort auf Ablehnung und provozierten sogar Widerstand während der Fertigstellung – von STADTWERK-BewohnerInnen und Menschen von außerhalb des STADTWERKs.

Ein feinfühliger und respektvoller Umgang mit der geäußerten Kritik bei gleichzeitigen Öffnungsbemühungen seitens des Vereins STADTWERK konnte die Kritik entkräften und schuf längerfristig eine Situation, in der es auch der Öffentlichkeit möglich wurde die Besonderheiten des STADTWERKs positiv zu erleben. Diese Dynamik soll nun genutzt werden, um das lebendige Quartier STADTWERK als zukunftsweisendes Modell für künftige Stadtentwicklungsprojekte in Salzburg zu legitimieren.

 
 

-        -  Padutsch, Johann (2004): Aus der Vision erwächst die Zukunft. In: Nachnutzung Stadtwerke-Areal

-     - Salzburger Stadtwerke (Hrsg.) (1987): 100 Jahre. Salzburger Stadtwerke. Elektrizitätswerke. Service für Salzburg

-        - www.salzburg-ag.at/unternehmen/status-geschichte/

-    - - Holm, Andrej (2010): Wir bleiben alle! Städtische Konflikte um Aufwertung und Verdrängung